MBSR & Achtsamkeit

 

Ein Fluss lässt sich nicht aufhalten. Nicht einmal durch Begradigung oder Staudämme. Das Wasser sucht sich seinen Weg. Ebenso lässt sich das Leben nicht ‘beherrschen’, indem man alles unter Kontrolle zu halten oder sich daraus zurückzuziehen versucht. Das Leben, unser Alltag und alles, was damit einhergeht, fließen weiter. Was wir jedoch beeinflussen können, ist unsere innere Haltung zu den Dingen, die geschehen.


Das Programm ‘Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion’ (Mindfulness-Based Stress Reduction, MBSR) von Prof. Jon Kabat-Zinn hat zum Ziel, die Haltung der Achtsamkeit zu einem Grundprinzip des eigenen Alltags zu machen. Es geht nicht in erster Linie darum, die äußeren Umstände zu verändern, was ja in vieler Hinsicht gar nicht ohne Weiteres möglich ist: Die beruflichen Anforderungen sind oft einfach gegeben, ebenso wie Herausforderungen in der Familie, schwierige gesundheitliche Situationen usw. MBSR soll es den Praktizierenden vielmehr ermöglichen, diesen Gegebenheiten mit einer bestimmten Haltung gegenübertreten zu können. Statt ständig gegen etwas anzukämpfen oder sich in einem ausweglosen Hamsterrad zu fühlen, geht es darum, 

  • zwischen der äußeren Situation und der inneren Reaktion darauf unterscheiden zu lernen und

  • auf dieser Basis eine selbst-mitfühlende Akzeptanz und eine gesunde Gelassenheit einzuüben und aufrechtzuerhalten, welche die äußeren Aufs und Abs des Lebens aus einer gewissen Distanz betrachten lassen.


 Ein Fluss lässt sich durch nichts aufhalten, und er verändert ständig sein Gesicht. Wer könnte das besser bezeugen als wir hier an den Ufern der Donau. Mal fließt ein mächtiger Strom durchs Tal, der alles mit sich reißt. Mal mäandert ein kleines Flüsslein gemächlich dahin. Nahe der Donauversickerung verschwindet das Wasser mitunter ganz, und es wachsen allerlei Pflanzen im Flussbett. Bis sich der Fluss erneut verändert und wieder ganz anders aussieht.

Für mich persönlich ist das ein sehr treffendes Bild, das sich auf ‘den Fluss des Lebens’ übertragen lässt, ohne zur Plattitüde zu werden. Denn uns allen geht es gleich: Mal reißen uns die Ereignisse um uns herum förmlich mit. Mal fühlen wir uns im Flow, weil wir eins sind mit unserem Alltag. Und dann wieder ist alles leer, schmerzhaft, übermächtig, stressig oder angsteinflößend.